4. Hilfslieferung 6. Feb. 2023

Ungeplante Fahrt in die Ukraine
Wir hatten schon wieder enorm viel Material am Lager. 12 Generatoren, viel Rettungs- und Bergungsmaterial für Feuerwehren und Militär. 2 Oelöfen und 1 Petrolofen für den Bunker der Schule in Vybranivka und wieder etwa 500kg medizinisches Material für das Militärspital in Uzhgorod. Aber die Finanzierung für die vierte Reise war noch nicht möglich. Ein Bekannter, der gerne anonym bleiben möchte, meinte: „Das kann doch  nicht sein, dass so viel wichtiges Material im Lager liegt und in der Ukraine wird es so dringend benötigt!“  Leider doch…
Zwei Tag später ruf er mich an und schlug kurzerhand vor: „Didi, wenn du innerhalb der nächsten 2 Wochen in die Ukraine fährst, übernehme ich die Kosten!“ 
Gesagt getan… Zwei Wochen Zeit für Mammutli-Check, Material sortieren, beschriften, Ladeliste erstellen, laden, alle Zollpapiere vorbereiten und Anträge für den MAUT-Erlass in allen Transit-Ländern einreichen.
Geschafft !!!    6. Feb. morgens um 07:00  Abfahrt. 1 Fahrzeug. 1 Fahrer 4`287km  … und tschüss      Danke Doe
 
So alleine unterwegs ist nochmal etwas ganz anderes. Auch wenn es bereits die vierte Fahrt in die Ukraine ist. Keine Rückendeckung. Niemanden zum Blödeln. Niemanden, dem man die Schuld geben kann, wenn was schief geht ;). Aber vorallem, niemanden zum reden, wenn dir mal drum ist.
Aber ich habe auch Vorteile gefunden. Ich nutzte die Solo-Tour um eine neue Route auszuprobieren. Die Zollabfertigung  in Visne-Nemecke (SK) ging mir schon lange auf den Keks. Ich entschied mich, mal über Ungarn statt über die Slowakei zu fahren. Und wie sich heraus gestellt hat, war es eine gute Entscheidung (bis jetzt).
Der erste Halt in der Ukraine war wie immer Uzhgorod. Ich lud meine Ladung ab und verteilte das Material in den nächsten 6 Tagen im Landesinneren.
Erste Station: Die Berufsfeuerwehr in Mukachewo. 1 Generator um das Wichtigste zu überbrücken bei den ständigen Stromausfällen. Sanitätsmaterial, warme Kleidung und Bergematerial.
 
Die nächste Lieferung ging an einen Ort, den es auf der Karte nicht gab. Eine Militärbasis irgendwo im Nirgendwo.
Hier werden Freiwillige und weniger Freiwillige für den Krieg vorbereitet und bei Bedarf an die Front beordert. Keiner weiss wann oder wohin. Ein Eskortfahrzeug wies mir den Weg. Zumindest bis vor die Tore des Camps der ukrainischen Armee. Dann war einmal mehr warten angesagt. Nach einem Weilchen nahm ein Offizier auf dem Beifahrersitz platz und führte mich durch die Basis. Und ich war richtig froh, hat Mammutli diverse Sperren, Untersetzung und einen Raddurchmesser von 108cm. Sonst wär ich wohl jetzt noch dort. 
Zum Glück „durfte“ ich am Schluss noch einen Fluss mit niedrigem Wasserstand queren. Sonst hätte man Mammutli kaum noch von einem dortigen Panzer unterscheiden können.
 
 
Am Tag meines Besuchs war es -15° Celsius. Die LANDI-Generatoren, die kleine Heizungsgebläse für die für Mannschaftszelte betreiben, sind ein Segen. Diese Mannschaftszelte sind für 20 Mann gedacht. Ich zählte aber 30 Notbetten. Nicht aus Platzmangel. Es war einfach wärmer so. Während ich mit ein paar Soldaten noch Tragbarren, Decken, Schlafsäcke, Erste-Hilfe-Sets und anderes med. Equipment ablade, ratterte schon der erste Generator in einem Zelt. Unglaublich, wie viel Freude man mit verhältnismässig wenig Material diesen harten Kerlen machen kann.
Ich bereute in diesem Moment, alleine unterwegs zu sein. Dieses Gefühl hätte ich gerne mit jemandem geteilt.
 
Aber dann kam MEIN Moment…
Er ist eigentlich der Grund, warum „Mammutli hilft“ sich für die Ukraine engagiert. Mein guter Freund und ehemaliger Arbeitskollege. Er ist derjenige, der Anfang März 2022 die Schweiz verliess um seiner Heimat zu dienen.  Er ging zurück in die Ukraine, während andere aus ihrem Land flüchteten. Eigentlich ist er in einem Spähtrupp. Immer an vorderster Front. Aber als er über unsere Partnerorganisation in der Ukraine erfuhr, dass ich bald „in der Nähe“ bin, nahm er die 400km mit einem klapprigen Landcruiser unter die Räder und wir verbrachten nach fast einem Jahr einen kalten, aber schönen Tag miteinander. Dann musste er wieder zurück an die Front.
 
Leider habe ich bis jetzt (Stand 27.7.2023) nichts mehr von ihm gehört. 
Aber er ist der unter anderem der „Generator“, der „Mammutli hilft“ antreibt. Dank ihm haben wir in der Ukraine viele gute und bewundernswerte Menschen kennen gelernt, die es einfach verdienen, dass man sie unterstützt.

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